Sozialtherapeutische Grundprinzipien

Die CHRISTIANI Sozialtherapie bildet die Grundlage der therapeutischen Arbeit innerhalb der CHRISTIANI Einrichtungen und richtet die Haltung der therapeutisch Arbeitenden aus. Sie versucht eine ganzheitliche Lebensgestaltung in der Wohnen, Arbeit, Freizeit und kulturelles Leben sowie eine medizinisch- therapeutische Betreuung verbunden werden, zu ermöglichen.

„Der Mensch will und kann sich entwickeln“

Ausgehend von dieser Tatsache gilt es im therapeutischen Handeln die eigentlichen, individuellen Bedürfnisse des zu betreuenden Menschen, mit seinen körperlichen, seelischen oder sozialen Schwierigkeiten

  • wahrzunehmen

und so heilsam auf den besonderen Hilfebedarf eingehen zu können.

„Um den Menschen wahrnehmen zu können, muss man ihm begegnen“

Die persönliche Begegnung und der individuelle Austausch zwischen den Betreuten und therapeutisch Handelnden bei CHRISTIANI stehen im Zentrum der Sozialtherapie und sind Grundlage eines

  • Erkennens

der therapeutischen Zielsetzungen.

„Um den Menschen verstehen zu können, braucht es ein grundliegendes Verständnis vom Menschen, ein Menschenbild“

Auf der Grundlage des anthroposophischen Menschenbildes und der Sinneslehre Rudolf Steiners, öffnet die CHRISTIANI Sozialtherapie den Blick für die eigentlichen Bedürfnisse des zu betreuenden Menschen. Sie versteht den Menschen als Ganzheit, welche sich erst aus Leiblichem, Seelischem und Geistigem ganz erschließen lässt.

Psychische und psychosomatische Erkrankungen sollten immer im Zusammenhang mit der Biographie, der Lebenssituation und den Mitmenschen des Rehabilitanden gesehen werden. Krisen und Krankheiten können so nicht nur als Hindernisse, sondern auch als richtungsweisende Ereignisse im Lebenslauf und als Chance zur persönlichen Entwicklung verstanden und behandelt werden.

Gesundheit ist kein statischer, bleibender Prozess, sondern immer ein bewirkter, labiler Zustand. Um Gesundheit zu erreichen, bedarf es einer aktiven Auseinandersetzung und Arbeit an und mit der eigenen Lebenssituation sowie dem eigenverantwortlichen Umgang mit den persönlichen Ressourcen. Indem das Gleichgewicht und die Harmonie in jedem Vorgang und jeder Funktion im menschlichen Organismus, im Physischen, Seelischen und Geistigen angestrebt wird, kann ein Prozess der Gesundung angeregt werden.

„Um Handeln zu können, braucht es eine Vorstellung wie“

Die Sozialtherapie ist (neben den herkömmlichen Behandlungsanforderungen) darauf ausgerichtet, Gesundheit zu ermöglichen, biografische „Neu“- Ausrichtung zu gestalten und soziales Miteinander zu fördern. Nicht Rückführung in den alten, vor der Krankheit herrschenden Zustand, sondern das Ergreifen der Krankheits- und Gesundungssituation zu einer Neugestaltung des persönlichen, sozialen und beruflichen Lebens, soll therapeutische Aufgabe im Sinne des CHRISTIANI- Ansatzes sein. Die gegenwärtigen Zivilisationsverhältnisse führen zunehmend zu Vereinsamung und Verunsicherung des Einzelnen. Darum liegt ein weiterer Schwerpunkt der CHRISTIANI Sozialtherapie im Schaffen sozialer Räume, in welchen sich ein Interesse für das Gegenüber entfalten kann. Neben der notwendigen sozialpsychiatrischen Pflege und Betreuung des Betroffenen soll so in besonderer Weise die Gemeinschaftsbildung und das kulturelle Leben zur Entwicklung der Persönlichkeit gefördert werden.

Das therapeutische

  • Handeln

soll durch eine innere Haltung der unten aufgezeigten Prinzipien der CHRISTIANI Sozialtherapie geprägt sein:

  • Respekt und Verständnis gegenüber dem Einzelnen in seiner besonderen Lebenslage
  • Achtung und Wertschätzung gegenüber dem Mitmenschen und ein wohlwollender Umgang mit dessen Schwächen
  • Eine authentische- nicht „therapeutisierende“ Grundhaltung in der Begegnung
  • Die Berücksichtigung der individuellen Persönlichkeit und Befähigung, indem das „Ich“ des Menschen angesprochen und bestärkt wird
  • Ein menschenzentrierter und ressourcenorientierter Zugang
    „Der Mensch steht im Mittelpunkt“
  • Den Betreuten nicht klassifizieren, nicht nur behandeln, nicht nur versorgen wollen, sondern den Menschen mit psychischer Erkrankung als Persönlichkeit erkennen und ihm als Persönlichkeit begegnen
  • Die Stärkung der gesunden Anteile und kompetente Bearbeitung der Krankheit
  • Das biographische Verständnis der Entwicklung in den Lebensjahrsiebten
  • Ziel ist die Entfaltung der Persönlichkeit und die Entwicklung des Menschen
  • Sie bietet den zu betreuenden Menschen Hilfe zur Entwicklung und zur Teilhabe an einem sozialen Leben
  • Die „Instrumente“ sind verlässliche, vertrauensvolle, stabile und kontinuierliche Beziehungen auf einer Ebene und dem gemeinsamen Erleben des sozialen Geschehens
  • Eine ganzheitliche und ökologische Wirtschaftsweise

Die CHRISTIANI Sozialtherapie ist Form gebend, beinhaltet feste Strukturen, wirkt durch wiederholende Abläufe rhythmisierend und bietet zielgerichtete Inhalte. Es entstehen Orientierung, Halt, Vertrauen und Entwicklung.

So wie das Stufenkonzept und die Therapiekette die Strukturen und den Aufbau der CHRISTIANI Einrichtungen prägen, so bildet die Sozialtherapie die Grundlagen des therapeutischen Geschehens und formt den Ablauf innerhalb dieser Strukturen.
Nur aus diesen dargestellten sozialtherapeutischen Grundprinzipien heraus sind die Konzeptionen der CHRISTIANI Einrichtungen und die jeweiligen institutionellen Gesamtstrukturen zu verstehen.


„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltenall führen möchte“ (Rudolf Steiner GA 26, S.14) Anthroposophie richtet sich an das denkende Bewusstsein, durch das die Wirklichkeit erkannt werden kann. Sie ist ein Weg, der das im Menschen und in der Welt Wahrgenommene stufenweise zum Erkennen führt. Daraus ergibt sich auch der wissenschaftliche Anspruch einer Geisteswissenschaft, deren Forschungsgebiet das Geistige ist. Sie ist also kein Glaube, keine weltanschauliche Überzeugung, keine religiöse Geistesoffenbarung, sondern ein Erkenntnisweg auf geistigem Felde. Dies führt von einem Ort, einer Stufe, einer Situation zur nächsten. Durch das Beschreiten dieses Weges erwirbt man sich neue Perspektiven und wandelt sich selbst.

Alle Schritte auf diesem Weg liegen in eigener, freier Entscheidung und können durch ein vorurteilsfreies Denken nachvollzogen werden.